Bier im 19. Jahrhundert
Schon der römische Historiker Tacitus kannte die Vorliebe der Germanen für Bier. „Zum Getränk dient eine Flüssigkeit aus Gerste oder Korn, durch Gärung zu einer gewissen Ähnlichkeit mit Wein gebracht“, schreibt er in seiner Schrift “De origine et situ Germanorum“.
Heute gibt es in Deutschland über 1200 Brauereien, das sind mehr als im Rest der EU zusammen. Viele davon sind eher klein und versorgen gerade mal den eigenen Brauereiausschank. Aber gerade das macht vielleicht – neben dem Reinheitsgebot natürlich – den Charme des deutschen Bieres aus. Auf einer Reise durch die 16 Bundesländer begegnet man mehr Sorten als in jedem anderen Land der Erde. „Es war zu jener Zeit Brauch, die Biere der verschiedenen Ortschaften durch sonderbare Namen, zum Teil durch deren Wirkung veranlasst, zu bezeichnen“, liest man in Karl Friedrich Wanders Deutschem Sprichwortlexikon.
Man braute:
- In Breslau Scheps
- In Leipzig Rastrum
- In Halle Puff und Muff
- In Wittenberg Kukuk
- In Halberstadt Broihan
- In Goslar Gose
- In Kyritz Mord und Todtschlag (wahrscheinlich als Medizin dagegen)
- In Benneckenstein am Harz Brauseput
- In Stade Kater
- In Schweidnitz Stier
- In Kolberg Block
- In Lizerode Auweh
- In Grimma Bauchweh
- In Dassel Hund (weil es im Leibe knurrte)
- In Buxtehude „Ich weiss nicht wie“
- In Osnabrück Bürste
- In Erfurt Schlung
- In Schöningen Todtenkopf
- In Braunschweig Mumme
- In Güstrow Kniesensack
- In Ratzeburg Rummeldaus
- In Wetting Keuterling
- In Delitzsch Kuhschwanz
- In Boitzenburg Bit den Kerl
- In Jena Dorfteufel, Maulesel und Menschenfett
- In Eisleben Krabbel an der Wand
- In Lübeck Israel
- In Brandenburg Alter Klaus
- In Wernigerode Lumpenbier
- In Marburg Junker
- In Zerbst Würze
Diese Namen sind heute zum großen Teil verschwunden. Aber die Vielfalt der Biere ist geblieben. Typisch deutsch und regional gegrenzt sind zum Beispiel noch immer Bockbier oder Kölsch; Weißbier ist inzwischen überall beliebt. Aber auch beim Pils, der regionen- übergreifenden und inzwischen mit Abstand meistgebrauten Sorte, schmecken Kenner problemlos den Unterschied zwischen einem Jever und einem Bitburger heraus. Oder bilden sich das zumindest ein.
Geblieben ist auch der Bierdurst der Germanen. Mit 106 Litern pro Jahr gewinnen deutsche Biertrinker weltweit im Pro-Kopf-Verbrauch die Bronzemedaille; sie werden nur noch von ihren Kollegen und Kolleginnen in Tschechien und Irland übertroffen. Aber das ist „trockene“ Statistik. Neben dem Schwarzbrot gehört das deutsche Bier wohl zu den Dingen, die der durchschnittliche männliche Bundesbürger bei Reisen in das Ausland am schmerzlichsten vermisst.
Während des deutsch-französischen Krieges 1870/71 brachten bayrische Soldaten eine Abteilung gefangener Franzosen nach Berlin. Gefragt, ob sie – die Bayern – in Frankreich Not gelitten hätten, antwortete einer: „Was wir ausgestanden, durchg’macht, g’litten, d’rlebt hab’n, doas begreift beinah koa Mensch, und halts a koaner aus, wenn er nit a ganz guete Natur hat. Vier volle Täg und Nacht koa Tropfen Bier g’sehn, viel weniger übers Herz ‘bracht. Doas halt ja koa Teifel nit aus.“
Das schreibt 1871 das Leipziger Neue Blatt.
Quelle: www.vds-ev.de
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Von Admin | 18. März 2008 | Kategorie: Bräuche |


