Die steirische Küche

Die Grüne Mark, wie die Steiermark auch genannt wird Das „steirische Klima“ war immer schon anders als anderswo, und in gewisser Weise gilt das auch für die steirische Küche, in der die Gesetze der Wiener und süddeutschen Küche nur bedingt Gültigkeit haben. So wird beispielsweise die „steirische Nudel“ – im Gegensatz zu so ziemlich allen anderen Nudeln der Welt – nicht aus Nudeln-, sondern aus Brot- oder Germteig zubereitet.

Das geht auf die Zeit vor der Einführung der flüssigen Bierhefe im 17. Jahrhundert zurück. Damals wurde – speziell im oststeirischen Joglland – für die Nudel – damals Ura oder Zeig genannt – aus alten Teigresten eine Art Germteig zubereitet. Aus den Joglländer Urakrapfen entwickelte sich dann im Lauf der Zeit die steirische Nudel aus dem Koralpengebiet. Diese Nudel wird bis heute auf luftig gebackenem Brot- oder Germteig hergestellt und in einer gut befetteten Kasserole ausgebacken. Wichtig ist, dass dabei die Kruste nicht knusprig, sondern schön duftig bleibt. Die Nudel wurde früher dann in grobe Brocken gebrochen und in „Läutrach“, also Rückstände von geläuterter oder ausgelassener Butter getunkt.

Anders als anderswo ist auch der steirische Dampfnudel. Darunter versteht man in der Grünen Mark, wie die Steiermark auch genannt wird, einen über Wasserdampf gegarten Germknödel aus Roggenbrot- oder Weizengermteig, der oft mit Mohn und Butter gegessen wird.

Es passt zum dickköpfigen steirischen Wesen, dass auch die steirischen Krapfen hier anders schmecken als etwa in Wien, Niederösterreich oder Tirol. Zum Ausbacken der Krapfen – die meistens nicht aus Germ-, sondern aus Mürbteig gemacht wurden – verwendete man hier nämlich kein Schweineschmalz, sondern Rinderschmalz oder Butter.

Wenn die Steirer etwas in Schweineschmalz herausbacken haben, so waren dies keine Krapfen, sondern Strauben (siehe Lexikon unten), bis heute noch – je nach Region – aus einfachem Strauben-, Nudel- oder Germteig gemacht, verschieden gerollt oder in quadratische Stücke geschnitten und in heißem Schweinefett herausgebacken.

Kleines Lexikon der steirischen Küche:

  • Abbröseln: Mehl mit einer Flüssigkeit, Butter oder Rahm zwischen zwei Fingern zerkrümeln.
  • Brein: Rollgerste
  • Häferlsterz: Sterz (siehe weiter unten) aus Erdäpfeln, der früher auch gerne mit süßer Milch gegessen wurde
  • Heckenklescher: Ausdruck für einen besonders sauren Wein
  • Heiden- oder Hoadenmehl: Buchweizenmehl
  • Hoadsterz: landestypisches Breigericht aus Buchweizenmehl, das oft etwa auch mit Eierschwammerl (Schwammerlsterz) kombiniert wird.
  • Kernöl: typisch steirisches, aus Kürbiskernen gepresstes Speiseöl mit angenehm nussigen Geschmack und intensiv dunkelgrüner Farbe.
  • Klachelsuppe: typisch steirische gebundene Suppe mit einer Einlage aus gekochten Schweinehaxeln, die oft irrtümlich als Klacheln bezeichnet werden.
  • Krenfleisch, auch steirisches Wurzelfleisch: steirische Spezialität aus gekochtem Schweinefleisch mit Gemüse und frisch geriebenem Kren (Meerrettich)
  • Kroatzbeer: steirischer Ausdruck für Brombeere
  • Morillon: steirischer Ausdruck für Chardonnay
  • Saubohnen: auch Acker- oder Puffbohnen, die wegen ihres kräftigen Gechmacks in der steirischen Küche äußerst beliebt sind.
  • Schilcher: zwiebelfarbener, roseartiger Wein aus der Blauen Wildbacherrebe mit typischer, kräftiger Säure
  • Schweinsfischerl: Schweinslungenbraten oder Schweinefilet
  • Steirerkas: magerer steirischer Kochkäse (nicht zu verwechseln mit Ennstaler Steirerkas, der ebenfalls ein Magerkäse ist, aber anders zubereitet wird).
  • Sterz: steirisches, breiartiges Gericht aus Buchweizenmehl oder Maisgrieß, das je nach Vorliebe pikant oder süß gereicht wird.
  • Strauben: gezuckertes, in Fett ausgebackenes Butterteiggebäck, das gern zum Wein gereicht wird.
  • Styria Beef: steirisches, hochwertiges Rindfleisch mit besonderer Qualitätsgarantie, zählt zu den besten Rindfleischsorten Österreichs.
  • Triet: Süßspeise aus relativ trockenem Gebäck, das in aromatisiertem Glühwein eingeweicht wird.
  • Türkensterz: landestypisches Breigericht aus Maismehl (Polenta)
  • Verhackert: typisch steirischer Brotaufstrich aus faschiertem und gewürztem Speck
  • Weckerl: längliches, kleines Gebäck

Siehe auch: Speisenlexikon der traditionellen Küche





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Ein Kommentar
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  1. Vergangenes Jahr war ich bei einer Freundin in Graz eingeladen. Wir gingen denn natürlich auch “traditionell” essen. Die Gerichte sahen erst einmal etwas ungewohnt aus, um es vorsichtig zu beschreiben. Geschmeckt hat es mir jedoch. Allerdings wird ziemlich viel Fleisch und Fett verwendet, was müde und träge macht. Probieren kann man es mal, ständig haben müsste ich es jedenfalls nicht!

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