Befähigungsprüfung im Gastgewerbe sollte Pflicht sein

KochsenduBefähigungsprüfung im Gastgewerbe sollte Pflicht seinngen sind zur Zeit ja der Renner bei vielen Fernsehprogrammen. Besonders interessant finde ich die „Kochprofis“ auf RTL2 und „Rach der Restaurant-Tester“ auf RTL. Doch leider ist es oft nicht nur amüsant, sondern auch erschreckend auf welche „Möchtegern-Gastronomen“ die Profis der Branche treffen. Das altbekannte Sprichwort „Wer nix wird wird Wirt“ war früher in aller Munde. Wussten jedoch früher die Gastronomen wenigstens die Grundbegriffe in BWL, Kalkulation, Küche und Service um den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Heute scheint es „in“ zu sein, ohne auch nur grundlegende Kenntnisse ein Restaurant zu eröffnen und sich als Koch in die Küche zu stellen und dann mal einfach „drauflos“ zu kochen. Mir, als gelernter Hotelkaufmann und langjähriger Gastronom in Österreich und Deutschland drehen sich die Magenwände um, was man da oft zu sehen bekommt. Ein Brüdertrio, aus Hartz4 kommend, streitet sich über die Zuständigkeit, wer jetzt doch mit dem Vermieter über die Mietrückstände sprechen soll. Ein anderes Ehepaar, er Tierarzt, verkauft seine Praxis und bildet sich ein, ein First-class-Restaurant auf dem Land in der Eifel eröffnen zu müssen. Nicht wissend, was die Speisen auf seiner Karte überhaupt sind und ob überhaupt Nachfrage vorhanden ist. Das Wort „Standortanalyse“ schon mal gehört? Anscheinend nicht! Aber man wundert sich, warum denn keiner das Restaurant besucht. Warum muss in der Gastronomie ein Selbstständiger keinen fachlichen Qualitätsnachweis erbringen, wie es in anderen Berufen auch üblich ist? Gerade in der Gastronomie, in der sich Krankheitserreger durch schlechte Hygiene explosionsartig verbreiten können, werden Hygienevorschriften von solch Amateuren oft schlichtweg total vernachlässigt. Fettklumpen am, unter, hinter und auf dem Herd, werden über Jahre nicht entfernt. Kühlketten werden nicht eingehalten, Buchführung gibt es keine, Mitarbeiterführung ist ein Fremdwort, rationales Arbeiten gibt es nicht und und und .... Eine mehrwöchige Pflichtschulung in Betriebswirtschaft, Kalkulation und Küche mit anschließender Prüfung sollte Pflicht sein, um solche Desaster an Gastronomiebetrieben zu vermeiden. Wir können ja auch nicht eine Kopfdichtung bei einem Automotor wechseln, wenn wir es nicht wissen, wie es geht. In der Gastronomie geht es anscheinend schon.
Ich fordere daher eine Konzessions- oder Befähigungsprüfung für Menschen, die in der Gastronomie selbstständig werden wollen. Dazu gehören:
  • Berufs- und Fachkunde (Lebensmittelkunde und Ernährungslehre, Küchenkunde, Getränkekunde, Servierkunde)
  • Buchhaltung und Kalkulation
  • Recht (Gewerberecht, Melderecht, Preisauszeichnung, Jugendschutzvorschriften, Arbeits- und Sozialrecht, Steuern- und Abgaberecht)
  • Technik und Hygiene (Lebensmittehygiene, HACCP, Unfallverhütung, Umweltschutzvorschriften, Abfallbewirtschaftung)
Wissen schützt vor Pleiten. Würden solche Befähigungsprüfungen eingeführt, würden nicht 8 von 10 Gastronomiebetrieben nach den ersten 2 Jahren wieder schließen müssen und viele Insolvenzen würden den Staat und den Gläubigern erspart bleiben.

Update 20.03.2015

Projekt Kneipenhilfe "Praxiserprobte Lösungsansätze zur Umsatzsteigerung in Kneipen und Gaststätten": Wichtige Grundlagenkenntisse zur erfolgreichen Führung einer Kneipe oder Gaststätte "Projekt Kneipenhilfe".
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11 Kommentare am “Befähigungsprüfung im Gastgewerbe sollte Pflicht sein

  1. Verena sagt:

    Ich bin ehrlich gesagt dagegen! Es gehört nun mal zum Leben dazu, auch Fehler zu machen. Muss der Staat denn überall vorschreiben, was man machen darf und was nicht? Immerhin sprechen wir hier ja nicht davon, dass andere Menschen gefährdet werden, und man schaue sich nur mal die aktuelle Finanzkrise an: Da werden Milliarden in bankrotte Unternehmen gebuttert und somit die unfähigen Manager auch noch „belohnt“! Da regt sich aber niemand auf.

  2. Monika sagt:

    Es gibt viele Beispiele wo der Staat sicherlich nicht hätte eingreifen sollen . wie z.B. der Nichtraucherschutz; obwohl ich selbst Nichtraucher bin, glaube ich in diesem Fall, dass ein gemeinsames, friedliches miteinander möglich sein sollte.
    Ich bin aber unbedingt dafür, dass eine solche Befähigungsprüfung gefordert wird. Immerhin hat man es in dieser Branche mit Lebensmitteln zu tun und da kann man nicht mehr von ungefährlichen Aktionen ausgehen. Jeder andere Fachbetrieb hat seine Prüfungen und Qualifikationen abzulegen.
    Außgerechnet in einer Sparte, in der so viel vom Unternehmer verlangt wird sollte man diese Qualifikation nicht benötige? Diese Vielfältigkeit verlangt von dem Gastronom dass er sich in jedem dieser Fachbereiche auch selbst auskennt. Von der Reinigungskraft über die Küchenqualifikation einschließlich Hygiene bis hin zum Service, dabei spreche ich noch nicht von der betriebswirtschaftlichen Seite wie Buchhaltung usw. Und wenn es sein muss, sollte diese „Fachkraft“ auch noch an der Theke den Psychiater für manche Gäste spielen können.
    Wenn dann wieder einmal, durch nicht eingehaltenen Hygienebestimmungen eines solchen „Pfuschers“ die ganze Branche in Verruch kommt, dann sind es wahrscheinlich genau diese Leute die laut schreien, welche jetzt glauben, dass jeder eine Gastronomie einfach mit „Links“ machen kann.

  3. Flug sagt:

    Also für Bars und Kneipen sei es mal dahingestellt. Aber überall da, wo Lebensmittel angeboten werden soltle e PFLICHT sein. ICh ärger mich richtig das ich so viele dieser Sendungen geguckt habe. Das hat meine REstaurantbesuche echt drastisch verringert. Immer wenn ich jetz in ein neues Restaurant „muss“ (Familenfeier usw) plagen mich die ganze Zeit die Bilder von verdreckten und schmutzigen Küchen….

  4. Admin sagt:

    Das Thema ist ja jetzt sehr aktuell geworden, spzeziell der Bereich Hygiene, wie es derzeit in Berlin vom Veterinäramt praktiziert wird. Da werdenn Gastronomen, die schwer gegen die Hygienebestimmungen verstoßen haben im Internet auf die „Schwarze Liste“ gesetzt, die für jeden einsichtbar ist.

    Also ich stehe zu meinem Artikel und finde, das solchen Gastronomen, die die tote Gans oder Ente im Treppenhaus am Geländer zwischenlagern sofort die Konzessionen entommen werden sollte und für sehr sehr lange Zeit auf dieser Liste stehen….

  5. patty sagt:

    Dieses Thema ist wirklich sehr interessant für mich.Tolle Seite,bietet echt interessante Information an, ich bin absolut fasziniert!

  6. Admin sagt:

    patty danke für das Kompliment.

  7. Frank sagt:

    Endlich mal einer, der mir aus der Seele spricht!!! Ich bin gelernter Koch, war auch einige Jahre sebstständig und habe im Laufe meines Lebens Dinge erlebt, die jeden Fachmann in den berechtigten Wahsinn treiben.
    Aus reinem Selbsterhaltungstrieb und Suche nach dem Sinn bin ich nun in den sozialen Sektor gewechselt, nicht aber ohne mir von einem gänzlich nichtswissenden Hobbygastronomen noch einen anständigen Arschtritt zu holen. Nach wochenlanger Konzeptentwicklungs-, Umbau-, Reinigungs- und Kalkulationsphase ging es zum ersten Geschirreinkauf (schwarz und weiß), welcher schon für ungläubiges Staunen über Preise und Notwendigkeit sorgte. Beim ersten, großen Lebensmittel- und Getränke- Grundeinkauf war schon mit Einsatz eines Sauerstoffzeltes zu rechnen. Befreundete Gastronomen trösteten mein Chefchen natürlich mit den Worten:” Da mußt du schon durch…”.
    Hinzufügen möchte ich noch, daß mein Ex-Chef unter ADS gepaart mit grenzenloser Selbstüberschätzung leidet.
    D.h. seine Familie hat ihm wohl attestiert, daß er ein hervorragender Koch sei, also…
    Die taktisch unklugen Verfehlungen im Umgang mit Behörden, potentiellen Gästen und Mitarbeitern lasse ich aus Platzgründen erst mal weg. Falls jemand jedoch an einer Auflistung der Fettnäpfchen interessiert ist, liefere ich diese gerne nach.
    Nachdem dann eine Woche geöffnet war, mein Chef schon damit begann seiner Gastro-philosophischen Ader freien Lauf ließ und ich tatsächlich nach zwei Monaten einen freien Tag haben wollte, stellte ich ihn damit vor eine neue Herausforderung. Der Koch braucht frei….
    Dies löste er einfach damit, daß er sich selbst in die Küche stellte.
    Wie ich erfuhr, war an meinem freien Tag fast nix los. Irgendwie meisterte diesen Tag und knallte mir am nächsten Tag dann die Kündigung auf den Edelstahl mit der Bitte ich möchte aber schon noch eine Woche bleiben, da ja noch zwei größere Gesellschaften zu bekochen wären.
    Ratet mal, was ich tat…
    Diese zwei Monate haben mir drei Dinge klar gemacht:
    -Diese Gringos (und das war nicht der erste in meiner Laufbahn) schaffen es echt dieses ohnehin schon schwierige Gewerbe in Verruf zu bringen! ES GIBT JA NOCH NICHT GENUG VERSAGER IN DIESERBRANCHE!!!
    -Die Menschen haben nicht nur weniger Geld, als vor 20 Jahren, sondern auch ein Recht auf Qualität!
    -Habe ich für mich persönlich beschlossen, einer stressfreieren, beziehungsfreundlicheren und in meinen Augen sinnvolleren Tätigkeit nach zu gehen.
    Es freut mich dennoch sehr, immer mal wieder von einem gut gehenden und vor allem PROFESSIONELL geführtem Haus zu hören.
    Weiter so…
    Euer Frank…

  8. Admin sagt:

    Hallo Frank!

    Da hast du ja ganz schön Dampf abgelassen. Ich kann Dich sehr gut verstehen und es freut mich, daß Du ebenso denkst wie ich. Ist schon der Wahnsinn, was Dir da so passiert ist. Auch ich habe der Gastronomie den Rücken gekehrt aus den genannten Gründen. Habe keine Lust mehr auf die ganzen Blindgänger, die meinen Sie können es, aber die Suppe aus der Tüte den Gästen unterjubeln. Schau mal wieder vorbei……

  9. Alex sagt:

    Also ich finde so eine Befähigungsprüfung für absolut wichtig! Das geht hier um Gastronomie, ich gebe Geld aus und erwarte absolut SAUBEREN und KORREKTEN Service und das ist leider verdammt nochmal seltenst der Fall…

  10. Markus Werner sagt:

    Bin Zwiegespalten:
    Ich denke man sollte jedem vorab ein Vertrauen entgegenbringen etwas zu erreichen.
    Nicht alle sind Top in allen Bereichen. Ein perfekter Koch, kann eine Flasche in BWL sein.
    Finanziell auf die Schn…e zu fallen, sollte jedem selbst überlassen sein.
    Was es gilt ist die transparenz zu erhöhen in dem Bereich wo es für andere gefährlich wird: Hygiene.
    Hygieneschulung (ohne Abschlußprüfung): Pflicht
    Kontrolle durch WKD: Bei Neueröffnungen öfters!
    Aushang im Gastraum (Pflicht) über die Ergebnisse der letzten (sagen wir mal 4) WKD Untersuchungen (mit Bewertung (Ob Punkte, Ampel, Buchstaben, Sterne: Egal: Aber einfach sollte es sein).
    Somit ist jedem Gast überlassen ob er dort Speisen will oder nicht und jeder Betrieb ist bestrebt die Sauberkeit zu erhöhen. Funktioniert einwandfrei in anderen Ländern. Warum bei uns nicht?
    (In Singapur Bewertung A, B, C, D. A ist das Beste und Sauberste, D das schlechteste. Hängt nichts aus = D)
    Finde ich einfach genug.

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