Südtiroler Einheimische im Gasthaus

Im blauen Vorbinder sitzend am Stammtisch, ein Glas Kalterer See in der Hand, wird gewattet oder gejasst. Watten und Jassen sind Kartenspiele, die traditionell seit Generation in Südtirol unter den Einheimischen gespielt werden.

Es ist zehn Uhr vormittags. Da steht der erste Gasthausbesuch bereits an. Bei einem kurzen Kartespiel wird geplaudert, geraucht, einige Gläschen Wein vertilgt und vielleicht auch eine kleine Marend (Jause) zu sich genommen. Unbekümmert und ohne Stress wird über das Dorfgeschehen geredet und die Kellnerin gepflanzt (geneckt).

Die Einrichtung der Gasthäuser in Südtirol ist einfach, oft sehr alt. Den Großteil des kleinen Lokals nimmt die Theke ein. Ein kleiner Kamin mit einer Bank halbseitig angebracht, strahlt wohlige Wärme aus. Vier oder fünf Tische befinden sich noch im Raum. Zwei davon ohne Tischdecken, die sind für die Einheimischen gedacht. Die wollen es einfach und schlicht. Ein Großer Stammtisch-Aschenbecher ist ihnen das Wichtigste. Und die kleine Tafel mit Kreide, auf der heute noch die Spielstände des Jassens aufgeschrieben werden.

Die schweren Holztüren der Gaststätte sind verzogen und gekrümmt. Wenn die im Schloss und zugesperrt sind, kann man schätzungsweise noch einen Finger durch die offenen Lücken stecken und den durch den Zug sich die Haare föhnen. Wunderbar diese alten Gemäuer und Türen. Hintergrundmusik: Fehlalarm. Es ist ruhig, nur das Reden der Bauern ist zu hören und das Knattern des alten Holzfußbodens, der ebenso gekrümmt und voller Wellen ist.

Vor dem Euro gab es in Südtirol noch den Lira. Ein Glas Kalterer See kostete um die 1000 Lire (70 Eurocent). Unvorstellbar diese günstigen Preise. In diesen typischen Südtiroler Einheimischen-Gaststätten konnte man für sehr wenig Geld urig und köstlich Schlemmen. Selbstgemachter Speck, Käse und Brot mit einem Aroma, da aß man schon mal das doppelte als normalerweise.

Nachdem die Bauern ihre kurze Vormittagspause und das Kartenspiel beendet hatten, geht es wieder zurück auf die Landwirtschaft. Natürlich wie immer ohne Stress und Hektik, denn die nächste Pause kommt ja bald. Die Mittagspause, dann die Nachmittagspause und dann ist ja eh schon bald Feierabend. Und zu jeder Pause wird selbstverständlich kurz im Gasthaus eingekehrt und das Spiel wiederholt sich von Neuem.

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